{"id":98,"date":"2011-02-01T01:51:41","date_gmt":"2011-01-31T23:51:41","guid":{"rendered":"http:\/\/deutsche-partei-dp.de\/?p=98"},"modified":"2014-11-01T01:51:52","modified_gmt":"2014-10-31T23:51:52","slug":"bundeswehr","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/deutsche-partei-dp.de\/?p=98","title":{"rendered":"Bundeswehr"},"content":{"rendered":"<h2>Bundeswehr<\/h2>\n<div class=\"entry\">\n<p>Von der Verteidigungs- zur Interventionsarmee (Von Alfred E. Zips, Oberstleutnant a. D. 02.2011)<\/p>\n<p>Ohne erkennbare Aufmerksamkeit der Bev\u00f6lkerung hat Verteidigungsminister von Guttenberg einen fundamentalen (von der FDP seit vielen Jahren geforderten) Systembruch eingeleitet: Nach 54 Jahren wird die Wehrpflicht in Deutschland de facto zum 1.7.2011 abgeschafft. Gleichzeitig wird die Bundeswehr von derzeit 240 000 auf eine Personalst\u00e4rke zwischen 155 000 (Vorschlag Guttenberg) und voraussichtlich etwa 180 00 reduziert. Die dazu notwendige Mehrheit im Bundestag ist sicher. Das in der Vergangenheit so oft beschworene unverbr\u00fcchliche Bekenntnis zur Wehrpflicht (vor allem durch die Union!) wird unter dem fadenscheinigen Vorwand notwendiger finanzieller Einsparungen dem politischen Kalk\u00fcl (besser: Opportunismus!) geopfert. Neben dem Zwang zu Einsparungen \u2013 die Armee war von Anfang an stets unterfinanziert und erreichte zu keinem Zeitpunkt die Vorgaben des B\u00fcndnisses \u2013 wird als wichtiger Grund darauf hingewiesen, da\u00df wir ja mittlerweile nur von Freunden umgeben, also keiner direkten Bedrohung wie bis 1990 ausgesetzt seien. Deshalb brauche man ebenso wie die anderen europ\u00e4ischen Staaten kein Massenheer mehr. Es sei nun die Zeit gekommen f\u00fcr eine \u201eFriedensdividende\u201c, und Truppenst\u00e4rken und Verteidigungshaushalt k\u00f6nnten nun drastisch reduziert werden. Noch hat von Guttenberg sein endg\u00fcltiges Konzept f\u00fcr die neue Bundeswehrstruktur und die damit verbundenen neuen Einsatzstrategien nicht vorgelegt. Nachstehend einige Gedanken aus der Sicht des ehemaligen Berufsoffiziers, der au\u00dferordentlich gute Erfahrungen mit allen (!) wehrpflichtigen Jahrg\u00e4ngen der Bundeswehr gemacht hat.<\/p>\n<ol>\n<li>Nach Berechnungen von Experten w\u00fcrde die Beibehaltung der Wehrpflicht (auch unter dem Gesichtspunkt der Gerechtigkeitsdefizite) ca. 2 Milliarden Euro pro Jahr kosten, also ca. 5 Prozent des derzeitigen Verteidigungshaushaltes. Zum Vergleich: Die mit Recht umstrittene Reduzierung der Mehrwertsteuer f\u00fcr Gastronomie kostet den Staat mehr als 1 Milliarde Euro pro Jahr.<\/li>\n<li>Die Wiederaufwuchsf\u00e4higkeit der Bundeswehr geht verloren. Ein Wiederaufbau der Streitkr\u00e4fte \u2013 so General a.D. G. Schultze-Rhonhof \u2013 in nennenswertem Umfang w\u00fcrde etwa 10 (!) Jahre dauern. Wer garantiert uns, da\u00df wir in dieser Zeit weder bedroht noch angegriffen werden? Alle gro\u00dfen Umbr\u00fcche des letzten Jahrhunderts lie\u00dfen sich fr\u00fchestens 2 Jahre vorher erkennen, einschlie\u00dflich der beiden Weltkriege. Der amerikanische Verteidigungsminister Gates hat j\u00fcngst die Abschaffung der Wehrpflicht in den USA als einen schweren Fehler bezeichnet. Er sieht keine Chance, sie wieder einzuf\u00fchren. In der Bundesrepublik darf man solches v\u00f6llig ausschlie\u00dfen.<\/li>\n<li>Die USA, unsere sicherheitspolitisch unberechenbare F\u00fchrungsmacht, kann sich zu jeder Zeit wieder irgendwo in der Welt einmischen und unseren Loyalit\u00e4tsbeitrag verlangen, der von uns mit einer Freiwilligenarmee in Anbetracht der Macht- und Abh\u00e4ngigkeitsverh\u00e4ltnisse wohl kaum abgelehnt werden d\u00fcrfte. Zudem ist ein Ende der NATO (Ost-) Erweiterung nicht abzusehen. Wer will garantieren, da\u00df sich damit nicht neue Risiken ergeben?<\/li>\n<li>Weitgehend unber\u00fccksichtigt blieb bisher die Frage der Nutzung bzw. des Verkaufs von Kasernen und Standort\u00fcbungspl\u00e4tzen, vor allem aber das Austrocknen unserer auf h\u00f6chstem Stand befindlichen wehrtechnischen Industrie (Kampfpanzer, U-Boote usw.), was nicht ohne Folgen f\u00fcr die Wirtschaft bleiben kann.<\/li>\n<li>Es gibt berechtigte Zweifel, ob sich in dem neuen, freiwilligen System gen\u00fcgend qualifizierte junge M\u00e4nner f\u00fcr den Dienst in den Streitkr\u00e4ften entscheiden werden. Es ist vielmehr zu bef\u00fcrchten, da\u00df sich f\u00fcr den \u201eJob Bundeswehr\u201c vor allem die entscheiden werden, die sonst nur geringe oder keine Chancen haben! (Die soziale Struktur der US-Armee ist ein eher abschreckendes Beispiel).<\/li>\n<li>Sicherheit wird eine bezahlte Dienstleistung ohne gesellschaftliches Prestige. Die Bezahlung ist zwar nicht schlecht, wird aber mit Blick auf zu erwartende zuk\u00fcnftige Konflikte immer weniger dem zunehmenden Lebensrisiko entsprechen. Das wird sich vermutlich auf die Dauer eher sehr negativ auf den Nachwuchs auswirken.<\/li>\n<li>Es ist zu bef\u00fcrchten, da\u00df die \u201eneue\u201c Bundeswehr noch weniger als bisher in der \u00d6ffentlichkeit wahrgenommen wird; das \u201efreundliche Desinteresse\u201c (so Ex-Pr\u00e4sident K\u00f6hler) wird zunehmen. Auf Sicht wird die Bundeswehr noch st\u00e4rker als bisher vom \u201eStaatsvolk\u201c entfremdet und kann damit eines Tages auch leichter gegen das eigene Volk eingesetzt werden!<\/li>\n<li>Letztlich besteht die Gefahr, da\u00df sich die Bundeswehr, vorwiegend rekrutiert aus dem Prekariat, zu einer \u201eS\u00f6ldnerarmee\u201c entwickelt, einsetzbar in jedem Krisengebiet der Welt. Ist das gar politische gewollt?<\/li>\n<li>Mit Blick auf die katastrophale demografische Entwicklung unsers Volkes im Vergleich zu den Perspektiven des \u201eYouth Bulge\u201c (Jugend\u00fcberschu\u00df z.B. in den muslimischen L\u00e4ndern) schicken wir das einzige Kind einer deutschen Mutter nach Afghanistan, wo eine Frau im Schnitt sieben Kinder hat, ein unersch\u00f6pfliches Reservoir f\u00fcr den Krieg (der aus diesem Grund nicht gewonnen werden kann.) Das mu\u00df nicht weiter erkl\u00e4rt werden!<\/li>\n<\/ol>\n<p>Zusammenfassend kann aus meiner Sicht von den Absichten der Bundesregierung, die Bundeswehr, unter gleichzeitiger Aufgabe der Wehrpflicht, drastisch zu reduzieren und neu zu strukturieren folgendes gesagt werden:<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Die bisher diskutierten Modelle zur Struktur und Ausstattung der Bundeswehr haben eines gemeinsam: Die F\u00e4higkeit zur kollektiven Landesverteidigung im Rahmen der NATO wird aufgegeben, die verbleibenden 150 (!) Kampfpanzer haben nur noch symbolischen Wert. Die Geschichte lehrt, da\u00df eine kleine Armee nie Sicherheit gew\u00e4hrleistet. Die Bundeswehr der Zukunft ist nur noch bedingt, wenn \u00fcberhaupt, zur Verteidigung des Landes f\u00e4hig. Bekommen wir also eine reine Interventionsarmee, ohne den unverzichtbaren R\u00fcckhalt in Staat und Gesellschaft? Eine Armee, die sich nicht voll und ganz \u2013 geistig, seelisch, physisch \u2013 mit ihrem Auftrag identifizieren kann und nicht in jeder Hinsicht von Politik und Volk gest\u00fctzt und getragen wird, taugt nichts. Weder Offiziere noch Soldaten haben die Eigenschaft von Zugtieren, die man gestern vor eine Kanone, heute vor einen Karren und morgen vor einen Leichenwagen spannen kann. Die Frage, die sich mir stellt, lautet: Welche Auftr\u00e4ge wird die \u2013 neue \u2013 Bundeswehr der Zukunft erhalten? Werden diese vorrangig unseren nationalen Interessen dienen und wie werden die definiert? Ob die Politik dazu bereit sein wird, darf nach den Erfahrungen der Vergangenheit bezweifelt werden. Quo vadis, Bundeswehr?<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bundeswehr Von der Verteidigungs- zur Interventionsarmee (Von Alfred E. Zips, Oberstleutnant a. D. 02.2011) Ohne erkennbare Aufmerksamkeit der Bev\u00f6lkerung hat Verteidigungsminister von Guttenberg einen fundamentalen (von der FDP seit vielen Jahren geforderten) Systembruch eingeleitet: Nach 54 Jahren wird die Wehrpflicht in Deutschland de facto zum 1.7.2011 abgeschafft. 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